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Dipl.-Ing. Christian Holler
Ingenieurbüro für
Kulturtechnik und Wasserwirtschaft,
Natur- und Landschaftsschutz

Flußkrebserhebung Burgenland

2003 - 2006

Auftraggeber: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Abteilungen Natur- u. Umweltschutz und Wasser- u. Abfallwirtschaft

Im Zuge des Projektes wurden die Fließgewässer des Burgenlandes systematisch auf das Vorkommen von Flusskrebsen untersucht. Im Detail wurden dabei 658 ausgewählte Fließgewässerabschnitte bearbeitet. Damit liegt ein flächendeckender Überblick über die aktuelle Situation der Flusskrebse im gesamten Burgenland vor. Aufbauend auf dieser Bestandsaufnahme wurde im Auftrag des Österreichischen Naturschutzbundes Burgenland, ein Artenschutzkonzept für die Flusskrebse erarbeitet (vergl. HOLLER 2007).

Der ehemals im gesamten Burgenland in Fließgewässern und stehenden Gewässern heimische und verbreitete Edelkrebs (Astacus astacus) ist heute auf einige naturnahe Abschnitte im Oberlauf der Fließgewässer zurückgedrängt. Darüber hinaus gibt es noch einige Vorkommen in Teichanlagen. Der Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) ist im Burgenland nur in den Fließgewässern des Berglandes heimisch. Im Zuge der Untersuchung konnten nur mehr zwei isolierte Vorkommen des Steinkrebses in burgenländischen Fließgewässern nachgewiesen werden. Diese Vorkommen sind hochgradig in ihrem Bestand bedroht. Der ursprünglich nur im Nordburgenland heimische Europäische Sumpfkrebs oder Galizier (Astacus leptodactylus), konnte nur mit wenigen punktuellen Vorkommen nachgewiesen werden die auf Besatzmaßnahmen zurückgehen. Das von früher bekannte Vorkommen des Sumpfkrebses im Neusiedler See dürfte erloschen sein.

Edelkrebs (Astacus astacus):

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Der aus Nordamerika eingeschleppte Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) ist mittlerweile über das gesamte Burgenland verbreitet und besiedelt vor allem die größeren Fließgewässer (Raab, Untere Lafnitz, Obere Pinka mit Zickenbach und Tauchenbach, Zöbern und Güns, Stooberbach, Leitha). Die Ausbreitung dieser Art stellt aktuell die größte Bedrohung für die heimischen Flusskrebse dar. Der Signalkrebs verdrängt die heimischen Krebse aus ihrem Lebensraum, vor allem aber verbreitet er die so genannte Krebspest, eine Pilzkrankheit die für die heimischen Flusskrebsarten tödlich ist.

Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus):

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Das Hauptaugenmerk beim Flusskrebsschutz im Burgenland liegt bei der Erhaltung der letzten verbliebenen Vorkommen der heimischen Arten in den Oberläufen der Gewässer sowie bei der Wiederansiedelung heimischer Krebse in geeigneten krebsfreien Gewässern. Hierbei kommt beim Edelkrebs und auch beim Europäischen Sumpfkrebs der Etablierung von Populationen in Teichanlagen - als geschützte Genpools - eine große Bedeutung zu. Eine Wiederansiedelung des Steinkrebses kommt im Burgenland nur in ausgewählten Oberläufen der Fließgewässer im Bergland in Frage. Der Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Signalkrebses zum Schutz der heimischen Flusskrebse hat hohe Priorität. Hierunter fallen die Bekämpfung des Signalkrebses durch Befischung, die Verhinderung der aktiven Verbreitung durch den Menschen, sowie die Einschränkung der selbsttätigen Ausbreitung. Der Aufklärung von Fischereiausübenden und Teichbewirtschaftern, kommt eine zentrale Rolle im Flusskrebsschutz zu. Die Unkenntnis über die heimischen Flusskrebse und vor allem über die Problematik des Besatzes mit Exoten (Signalkrebs) trägt wesentlich zur aktuellen Gefährdung der heimischen Krebse bei. Die Fischerei und die Teichbewirtschafter müssen als aktive Partner im Flusskrebsschutz gewonnen werden. Nur wenn die Akteure am Gewässer über den Wert und die ökologische Funktion intakter Flusskrebsbestände und die aktuelle Gefährdung informiert werden, kann der Flusskrebsschutz gelingen.

Projektpartner: Gerhard Woschitz, Wien