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Dipl.-Ing. Christian Holler
Ingenieurbüro für
Kulturtechnik und Wasserwirtschaft,
Natur- und Landschaftsschutz

Artenschutzprojekt Flusskrebse, Muscheln, Neunaugen und Fische im Burgenland

2005-2007

Auftraggeber: Österreichischer Naturschutzbund Burgenland im Rahmen der Sonstigen Maßnahmen der ländlichen Entwicklung

Im Rahmen des Projektes wurden für die ausgewählten Tierarten Edelkrebs, Flussmuscheln, Ukrainisches Neunauge und Moderlieschen artspezifische Schutzkonzepte erarbeitet und auf dieser Basis Wiederansiedlungs- bzw. Bestandsstützungsprojekte umgesetzt sowie deren Erfolg mittels eines Monitoringprogrammes überprüft und dokumentiert. In den Schutzkonzepten werden auf Basis der derzeitige Bestandssituation und der Gefährdungsursachen, die erforderlichen Maßnahmen im Burgenland konkretisiert und örtlich festgelegt. Die Maßnahmen umfassen unter anderem Bestandsstützung und Wiederansiedlung, sowie den Aufbau intakter Population als Genpool für weitere Besatzmaßnahmen.

Edelkrebs (Astacus astacus):

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Das Hauptaugenmerk beim Flusskrebsschutz im Burgenland, liegt bei der Erhaltung der letzten verbliebenen Vorkommen der heimischen Arten in den Oberläufen der Gewässer, sowie bei der Wiederansiedelung heimischer Krebse in geeigneten krebsfreien Gewässern. Hierbei kommt beim Edelkrebs und auch beim Europäischen Sumpfkrebs, der Etablierung von Populationen in Teichanlagen - als geschützte Genpools - eine große Bedeutung zu. Eine Wiederansiedelung des Steinkrebses kommt nur in ausgewählten Oberläufen der Fließgewässer im Bergland in Frage. Der Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Signalkrebses hat zum Schutz der heimischen Flusskrebse hohe Priorität. Hierunter fallen die Bekämpfung des Signalkrebses durch Befischung, die Verhinderung der aktiven Verbreitung durch den Menschen, sowie die Einschränkung der selbsttätigen Ausbreitung. Der Aufklärung von Fischereiausübenden und Teichbewirtschaftern kommt eine zentrale Rolle im Flusskrebsschutz zu. Die Unkenntnis über die heimischen Flusskrebse und vor allem über die Problematik des Besatzes mit Exoten (Signalkrebs), trägt wesentlich zur aktuellen Gefährdung der heimischen Krebse bei. Die Fischerei und die Teichbewirtschafter müssen als aktive Partner im Flusskrebsschutz gewonnen werden. Nur wenn die Akteure am Gewässer über den Wert und die ökologische Funktion intakter Flusskrebsbestände und die aktuelle Gefährdung informiert werden, kann der Flusskrebsschutz gelingen.

Gewöhnliche Bachmuschel (Unio crassus):

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Ursachen für die Gefährdung der heimischen Großmuscheln sind neben Gewässerverschmutzung, Nährstoff- und Sedimenteintrag, vor allem der Strukturverlust auf Grund der Verbauung und Regulierung der Fließgewässer und der damit einhergehende Verlust an geeigneten Lebensräumen. Ein entscheidender Faktor dürfte in vielen Gewässern aber auch das Fehlen geeigneter Wirtsfische sein, an denen sich die Larven (Glochidien) der Muscheln entwickeln können. Das Hauptaugenmerk beim Artenschutz für Großmuscheln im Burgenland sollte der Gemeinen Bachmuschel (Unio crassus) als Schutzgut gemäß EU-FFH-Richtlinie und auf Grund der Seltenheit bzw. der kleinräumigen Verbreitungsareale, jedenfalls auch der Abgeplatteten Teichmuschel (Pseudanodonta complanata), der Aufgeblasenen Flussmuschel (Unio tumidus) und der Malermuschel (Unio pictorum) gelten. In weiten Bereichen decken sich die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der anderen Großmuschelarten mit jenen zum Schutz von Unio crassus. Synergieeffekte im Sinne der Erhaltung aller Arten, sind somit bei Umsetzung der Maßnahmen zu erwarten. Viele der notwendigen Maßnahmen lassen sich ohne erheblichen Aufwand sowohl innerhalb als auch außerhalb der Natura 2000 Gebiete umsetzen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Wasserbauverwaltung und Naturschutzbehörden ist dafür Voraussetzung. Der gegenwärtige Kenntnisstand über die Flussmuscheln im Burgenland ist jedenfalls bei weitem noch nicht ausreichend. Grundlage für jegliche Schutz- und/oder Fördermaßnahme für Großmuscheln ist die genaue Kenntnis der jeweiligen Population und der diese beeinflussenden Faktoren. Hierzu gehört unbedingt auch die Kenntnisse über die Fischfauna in den jeweiligen Gewässerabschnitten.

Neunauge (Eudontomyzon sp.):

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Die oberste Priorität beim Artenschutz von Neunaugen und Moderlieschen muss zunächst die Sicherung noch bestehender Vorkommen sein. Dies ist untrennbar mit dem Schutz des unmittelbaren Lebensraumes verbunden. Es müssen aber jedenfalls weitere Maßnahmen wie Schutz bestehender Verbindungen zu anderen Populationen, Schaffung neuer Migrationswege, Management von Fressfeinden und eine angepasste Bewirtschaftung gesetzt werden. Einen zentralen Punkt bildet die Wiederansiedlung der Zielarten in geeigneten Habitaten. Bei allen Schutz- und Sicherungsmaßnahmen muss projektbegleitend eine aufklärende Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt werden. Eine moderne, die gesamte Artenvielfalt der Gewässer berücksichtigende fischereiliche Bewirtschaftung, kann auch Bestände seltener und wirtschaftlich nicht genutzter Arten wie Neunaugen und Moderlieschen sichern. Eine solche Bewirtschaftung ist nur mit koordinierter Information und Aufklärung der Berechtigten, einem modernen Fischereigesetz und allenfalls entsprechenden Vereinbarungen bei Pachtverträgen zu erreichen.

Projektpartner: Gerhard Woschitz, Wien;